|
FAMILIE SCHNORRENBERG |
|
|
|
VARIANTEN UND VERBREITUNG |
|
Der Familienname Schnorrenberg ist ein typisch rheinischer Name und bis heute eng auf diese Region beschränkt.
Das
(historische) Namensvorkommen "Schnorrenberg" beschränkt sich
auf den Raum belgische Grenze - Mosel - Rhein - Köln - Düsseldorf - Mönchengladbach
- niederländische Grenze. Schwerpunkte liegen eindeutig in der Eifel,
weitere Vorkommen sind entlang der Erft zu finden. Die Vorkommen in den
Großstädten Köln und Düsseldorf scheinen auf Zuwanderung zurückzuführen
sein. Man muss davon ausgehen, dass der Name nicht auf eine Familie zurückzuführen
sein wird, sondern sich unabhängig voneinander an verschiedenen Orten
entwickelt hat. Südlich der Mosel ist vor allem im Hessischen bis hin nach Baden-Württemberg und Bayern, teilweise auch in die Schweiz, die Schreibweise "Schnorrenberger" gebräuchlich. Eine Vermischung zwischen Schnorrenberg "Nord" und Schnorrenberger "Süd" konnte bisher nicht bzw. in nicht nennenswertem Umfang festgestellt werden. In der Schweiz ist historisch die Schreibweise "Schnurrenberger" deutlich häufiger zu finden als "Schnorrenberger". Es gibt also offensichtlich eine Nord-Süd-Entwicklung von Schnorrenberg über Schnorrenberger zu Schnurrenberger Zur Schreibweise des Namens im rheinischen Raum, Zwischenformen von den genannten Schreibweisen sind selten: |
Die Varianten lassen sich in folgender Formel zusammen fassen:
Weitere Familiennamen in Deutschland mit "Schnor-"
SPRACHWISSENSCHAFTLICHE ERKLÄRUNG |
|
Will man also die Ursprünge des Namens Schnorrenberg erklären, muss man sich zunächst mit der Bedeutung des Begriffs "Schnorren" auseinander setzen. In "Deutsches Namenslexikon"1 wird ausgeführt: Berg: nach der Wohnstätte am
Berge, daher süddt. und westdt. zahlreich. Schnorr s. Schnurr - Schnudt, Schnuth, Schnute (ndd.) = Schnauze. In2 auch als Schnurre/Schnorre bezeichnet Schnurr(e) meint den Schnurrer = Possenreißer (vergl. schnurrig); desgl. Schnorr (Schnorrer). Rüdiger Snurre 1298 bei Mergenth., Hainlin Schnurrer 1404 b. Stuttg., Joh. Snorre 1304 Ro.; Snorrebein 1350 Brsl. 1415 Lg. Die Ausführungen in3 führen möglicherweise weiter: Schnurrbusch, Schnorrbusch 1415 Snornpusch, 1485 Snurrebusch. Übernahme, Satzname zu mittelhochdeutsch snurren ´mit Schnauben auf der Fährte des Wildes spüren (vom Jagdhund)´ und busch ´Busch, Gesträuch; Gehölz, Wald´für einen Jäger. Aufgrund der Ausführungen bei Kluge kann man schnorren im Sinne von Betteln als Ursprung für den Namen Schnorrenberg ausschließen, da dieser Begriff aus dem jüdisch-deutschen nicht vor 1771 (Goethe) auftaucht. Der Name Schnorrenberg ist jedoch viel älter.Die Kombination Schnorre für Schnauze in Verbindung mit snurren für das Folgen der Fährte des Wildes könnte eine Richtung zeigen: Ein Schnorrenberg würde dann ursprünglich ein Jagdgebiet bezeichnen, in dem später ein Wohnort entstand und diesem Ort den Namen gibt, der wiederum, wie häufig üblich, zur Namensgebung für die dort Wohnenden diente. Das ist eine Theorie, Problem dabei: "snurren" o. ä. für "der Fährte des Wildes folgen" ist für das Mittelalter belegt, wahrscheinlich als Name eher für das Spätmittelalter. Der Ortsname Schnorrenberg geht aber vermutlich bis in das Frühmittelalter zurück.
Der Name Schnorrenberg deutet auf eine geografische Bezeichnung hin. Es kann also vermutet werden, dass zunächst mit Schnorrenberg Erhebungen in der Landschaft beschrieben wurden, aus denen später Bezeichnungen für Wohnorte an oder neben diesem Berg hervorgingen. Bei der Bildung von Familiennamen wurde vielfach auf die Ortsbezeichnung der Herkunft zurückgegriffen. Im Vorkommengebiet der Schnorrenbergs sind bisher folgende Ortsbezeichnungen bekannt:
Home Familie Brühl Hellenthal Hurth Konigswinter Kreuzan Leverhus Vynen Zulpich
4. Höhen- und Talbezeichnungen Das einfache "Berg" wurde als Ortsbenennung häufig gebraucht und oft gerade für älteste Siedlungen der merowingischen und karolingischen Zeit. So erscheint Berg bei Floisdorf im Kreise Schleiden schon 699 als viIla montis = "Landgut, später Dorf Berg". Die kirchlichen Gründungen Frauenberg und Niederberg sowie Lüftelberg und Walberberg im Kreise Bonn waren urspr. nur Siedlungen "zum Berge". Bei Frauenberg wurde erst im 13. Jahrh. der Name der "frouwen", der Muttergottes, als Patronin der Kirche hinzugefügt. Im Liber valoris heißt der Ort "Berge beate Marie" (= beatae Mariae). Die alte Bezeichnung mit der neuen verbindend, nennt sich L;54? als Mitglied der Euskirchener Priesterbruderschaft Adamus Brauns "Pastor Montis in Frauenberg". Niederberg, am Rotbach, ehemals eine Herrschaft des Domdechanten von Köln, heißt noch im Liber valoris vor 1300 "zum Berge". Doch nannte man den Ort später, zuerst im 15. Jahrh., um ihn von anderen Orten dieses Namens zu unterscheiden, "zum nideren Berg", woraus das heutige Niederberg entstanden ist (Kaufmann 166)... Wie Schneppenheim so enthält auch die kleine Siedlung Schnorrenberg am Rotbach bei Nemmenich einen Vogelnamen. Schnorrenberg steht für Schnarrenberg, und das Bestimmungswort ist "die Schnarre oder Schnarrdrüssel". Schnorrenberg ist also ein "Schnarrdrosselberg". Schnarre, Benennung für Vögel, zu dem lautmalenden mhd. snarren = "schnarren, schmettern, schwatzen", entsprechend umd. mndl. snarren, snorren (Weigand, Deutsches Wörterbuch). Der früher mehr als heute mit Buschwerk bestandene Berg war also ein Ort, wo man eine gewisse Drosselart mit ihren eigentümlichen SchnarrIauten oft hören konnte. Nach Kaspers gehört Schnorrenberg zu dem ebenfalls Iautmalenden, im Ablaut zu snarren stehenden mhd. snurren "rauschen, sausen", in Flurnamen "wo der Wind saust". Nach ihm ist der Name entstanden aus "(ze dem) snurrenden berg". Die nemmenicher Schnorrenbergs werden auch in folgender Urkunde erwähnt: Weitere Ortsbezeichnungen mit "Schnorr-" gibt es in
sowie die Ortsnamen
THEORIEN ZUR ABLEITUNG DES NAMENS Zur Bedeutung des Namens Schnorrenberg lassen sich somit folgende Theorien zusammenfassen:
Alle denkbaren Erklärungen lassen zu, dass es mehrere Orte Schnorrenberg gibt und sich somit auch der Familienname unabhängig an verschiedenen Stellen gebildet hat. Den Familiennamen Schnorrenberg wird man deshalb voraussichtlich nicht auf eine Quelle zurückführen können. |
|
1. Bahlow, Hans: Deutsches Namenslexikon, o.O. 1985 2. Kluge, Friedrich: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, Berlin 1975 3. Naumann, Horst: Das große Buch der Familiennamen - Alter, Herkunft, Bedeutung, o.O. 1999? 4. Höhen- und Talbezeichnumgen
|